Ein eindrückliches Beispiel, wie ein gut eingespieltes Team verhängnisvolle Fehlentscheidungen treffen kann, stellt das Challenger-Unglück im Jahr 1986 dar: Sieben Besatzungsmitglieder kamen um, als die Raumfähre Challenger beim Start explodierte. Ursache für das Unglück war ein defekter Dichtungsring. Obwohl externe Experten zuvor auf das Risiko hingewiesen haben, entschied sich das NASA-Managementteam für den Start. Dieses Phänomen, dass ein Team von eigentlich kompetenten Personen schlechte oder realitätsferne Entscheide trifft, da sich die Mitglieder einer vorherrschenden Gruppenmeinung anpassen, wird als «Groupthink» bezeichnet.

 

In der Forschung sind weitere Entscheidungsfallen infolge von Teamarbeit bekannt. So konnte in Experimenten gezeigt werden, dass Gruppen tendenziell risikoreicher entscheiden als Einzelpersonen. Als mögliche Erklärung für die erhöhte Risikobereitschaft von Teams wird die Verantwortungsdiffusion herangezogen. So liegt in einer Gruppe die Verantwortung nicht bei einer Einzelperson, sondern sie verteilt sich auf alle Mitglieder.

 

Weiter belegen Studien, dass neben Entscheidungsfallen auch Leistungseinbussen bei Teamarbeit resultieren können. So beschreibt der Ringelmann-Effekt das Phänomen, dass Arbeitstätige bei Kraftarbeit umso weniger mit anpacken, je mehr Mitglieder in einem Team arbeiten. Kann die Arbeit in einem Team nicht einem Teammitglied zugeschrieben werden, sinkt die Leistung des Einzelnen ebenfalls, was mit sozialem Müssiggang umschrieben wird. Der Trittbrettfahrer-Effekt bezeichnet das bekannte Phänomen des bewussten Leistungsverzichts auf Kosten anderer.

 

Werden Vor- und Nachteile einander gegenübergestellt, so sind die Nachteile von Teamarbeit nicht vernachlässigbar. Dennoch werden in der Praxis vor allem die positiven Seiten von Teamarbeit hervorgehoben. Die Beschönigung von Teamarbeit erklären sich Forscher mit dem psychologischen Nutzen, den Menschen aus der Arbeit in der Gruppe ziehen. Teamarbeit verringert die Unsicherheit in der Arbeit, macht häufig Spass und trägt zum Wohlbefinden bei. Deshalb nimmt der Mensch die Arbeit in der Gruppe positiv wahr.

 

Sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmende sollten sich dieser romantisierten Wahrnehmung von Teamarbeit bewusst sein, sich auch die negativen Konsequenzen vor Augen führen und Teamarbeit mit Bedacht vorsehen.