Literatur & Sprache

Der Prosaverwischer und der Geschichtenzerstörer - eine narratologische Untersuchung des Prinzips der Überwindung durch Ersetzung in Thomas Bernhards Alte Meister

Die Arbeit bestimmt präzise die äusserst komplexe narrative Struktur von Thomas Bernhards skandalumwitterten Roman ,,Alte Meister". Produktiv erweist sich dabei die Rekonstruktion von Bernhards radikalen Aussagen zum Geschichten-Erzählen, seines anti-narrativen Programms, wie es vor allem in seinem Radax-lnterview „Drei Tage" entfaltet worden ist.

Diese Wendung gegen das Geschichten-Erzählen knüpft nicht nur an Problemstellungen insbesondere der österreichischen Moderne an (Debatte über Krisis des Romans um 1930), sondern hat auch ein Fundament in Adalbert Stifters minimalistischen Erzählverfahren. Gerade diese Verwandtschaft mit Stifter steht, jedenfalls auf den ersten Blick, im Widerspruch zu den Stifter-Verwerfungen in ,,Alte Meister"; von Regers einstiger Stifter-ldolatrie ist wenig übrig geblieben; nur die Briefe werden vom negativen Verdikt ausgenommen.

Diese Destruktion eines ehemaligen Vorbilds lässt sich gemäss Harold Bloom als einen klaren Fall von Einfluss-Angst deuten; die Applikation dieses Modells erscheint hier besonders angebracht, als fortwährend Verwandtschaftsverhältnisse ins Spiel gebracht werden.

Autor
Christian Stefan Frey
Jahr
2014
Lehr- / Forschungsinstitut
Universität Zürich
Fakultät
Philosophische Fakultät
Kategorie
Lizentiats-/Magister-/Masterarbeiten
Note
5.50

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